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Brokstedt. Mit über 70 Teilnehmern war die Informationsveranstaltung „Starkregen; welches Risiko besteht für Brokstedt“ im Saal des Bürgerhauses sehr gut besucht.

Eingeladen hatte Bürgermeister Clemens Preise und der Brokstedter Bürger Phil Lopatta. Lopatta hatte sich überlegt, was denn passieren würde, wenn im Dreieck, Boostedt, Großenaspe und Brokstedt so ein verheerender Starkregen runterkäme wir im Ahrtal. Die ganzen Wassermassen würden sich aufgrund des Gefälles in Brokstedt an der Sibbersdorfer Brücke sammeln. Wenn dann auch noch die dortigen großen Bäume umkippen, wäre der Durchfluss ganz schnell verstopft. Bei seinen Recherchen im Internet fand Lopatta auch zwei Karten von namhaften Organisationen (Bundesanstalt für Gewässerkunde (bfg) und Bund-/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)) in denen an dieser Brücke „zukünftige Hochwasserereignisse durch fließendes Wasser“ gekennzeichnet worden sind. Das war Grund genug, um eine Aufklärung über die Sachlage anzustoßen.

Bürgermeister Clemens Preine hatte ein breites Spektrum an Experten eingeladen.

Wolfgang Möbius (Geschäftsführer Wasserbeschaffungsverband (WBV) Mittleres Störgebiet) unterstützt durch Gerald Geuer (Verbandsvorsteher Gewässerpflegeverband (GPV) Großenaspe-Wiemersdorf) stellte seine Organisation und deren Aufgaben vor. Im Verlauf seines Vortrages verwies er auf die vom Land Schleswig-Holstein durchgeführten Risikoanalysen für die Flussgebiets-Einheit Elbe zu der auch die Brokstedter Au gehört, die zuletzt 2018 überprüft und fortgeschrieben wurden.  „Anhand der vorliegenden Hochwasserrisikokarten, wird das direkte Gefahrenpotenzial für Brokstedt als eher niedrig eingeschätzt.“ So die Kernaussage von Möbius.

Dass darin die neuesten Erkenntnisse aus dem Klimawandel und die zunehmenden extremen Starkregenereignisse noch nicht berücksichtigt sind, bestätigte er und verwies gleichzeitig auf den nächsten Aktualisierungszyklus im Jahr 2023.

Des Weiteren verwies Wolfgang Möbius darauf, dass der Schutz von Kellerräumen vor eindringendem Oberflächenwasser dem Eigentümer in Eigenvorsorge obliegt.

Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger im nächsten Schritt in der Verantwortung der Gemeinde und der örtlichen Feuerwehr und die Zuständigkeiten im Katastrophenfall beim Kreis Steinburg liegen.

Der zuletzt angesprochene Abteilungsleiter Stefan Schmidt (Ordnungsamt Zivil- und Katastrophenschutz Kreis Steinburg) war der nächste Referent. In seinem Vortrag fanden besonders seine Empfehlungen zu der Situation, jeweils VOR, WÄHREND und NACH einem Starkregenereignis bei den Zuhörern besonderes Interesse. In seinem Fazit betonte er folgende Schwerpunkte: Schaffung eines Problembewusstseins, den Informationsaustausch zwischen Kommune, Bürgerinnen & Bürgern und Behörden, die Motivation zur Eigenverantwortung aller Beteiligten wecken, Verständnisaufbau für die Vorsorge der öffentlichen Hand aber auch deren Grenzen und guter Letzt Praxishilfen für den „Ernstfall“ bereitzustellen.

Patrick Eckert - Wehrführer Feuerwehr Brokstedt – gab unter anderem folgende Tipps. Sich in Überflutungsgebieten nur auf einsehbarem Grund zu bewegen, Wälder und Hanglagen zu meiden und gefährdete Areale Gebäudeöffnungen und Abwasserschächte, Keller und Niedergänge zu sichern. Außerdem sollte man darauf achten, dass Rückschlagventile im Keller funktionsfähig sind, Fahrzeuge vorausschauend und sicher in höher gelegenen Gebieten abzustellen sowie auf jeden Fall Absperrungen, Straßensperrungen und Halteverbote zu beachten. Auch das Durchfahren große Pfützen oder Wasserflächen mit Fahrzeugen kann sehr gefährlich sein.

Jan Fellmann - Sanierungsleiter Fa. MST GmbH Brand- und Wasserschadensanierung – empfahl beispielsweise vorher an eine Elementarversicherung zu denken, die persönlichen Dokumente sicher aufzubewahren und gegebenenfalls das Gebäude konstruktiv zu schützen. Im Ernstfall sollte man auf jeden Fall die Ruhe bewahren und zuallererst sich und andere aus dem Gefahrenbereich bringen. Nach dem Schadensfall sollte umgehend die Versicherung informiert und eine Fachfirma organisiert werden, um Schäden möglichst schnell wieder zu beseitigen und Folgeschäden zu vermeiden.

Ulrich Bübel von der Rühmann Versicherungsmakler GmbH, erklärte als letzter Redner den Sinn einer Elementarversicherung und was damit an Risiko abgesichert werden kann.

Das breite Informationsangebot scheint den Wissensbedarf der Teilnehmer an der Info-Veranstaltung befriedigt zu haben. Es gab nicht viel Fragen und das Feedback am Ende der Veranstaltung war überdurchschnittlich gut.  Bürgermeister Preine zeigte sich beruhigt, versprach aber an dem Thema dranzubleiben. Aus den vielen Anregungen könne man noch viel Nutzen ziehen und beim nächsten Aktualisierungszyklus der Risikobewertungen wünsche man sich, dass die neuesten Erkenntnisse der Klimaforscher mit einfließen. phlo

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